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Samstag, 2. Mai 2015

Eine sehnsuchtsvolle Hinwendung zu vergangenen Gegenständen oder Praktiken.

Ich habe seit einiger Zeit angefangen mir alte Konsolen wie den Gameboy oder NES zu kaufen. Doch möchte ich mitnichten dem Trend schafsköpfig folgen, sich Retro Spielzeug ins Designerheim zu stellen. Vielmehr sehe ich in all der staubüberzogenen Technologie schlichtweg ein Stück Erinnerung aus meiner Kindheit, die ich einfangen und konservieren möchte.
Ich weiß noch, als ich das erste Mal einen Gameboy in der Hand hielt und das schwarz-weiße NINTENDO Zeichen langsam zur Bildschirmmitte schwebte und mit einem kurzen euphorischen Ton das Spiel eröffnete. Damals saß ich aufgeregt mit dem Gameboy am Tisch, steuerte Batman durch die graue Pixelnacht und vergaß alles um mich herum, ehe er mir von der erzieherischen Obrigkeit aus der Hand genommen wurde. Meine Verwandtschaft war zu Besuch und galt es zur damaligen Zeit noch als unhöflich sich mit solchen Spielereien vom sozialen Geschehen auszugrenzen, musste ich mich meinen Pflichten widmen. Das war im Übrigen das letzte Mal, dass ich diese graue Pixelkiste in der Hand hielt.
Für mich waren diese Minuten gefüllt mit Wunder und Glück. So kurz dieser Moment auch gewesen sein mag, so nachhaltig hat er mich geprägt. Denn ich habe Angst. Ich habe Angst, dass man mir diese Erinnerung, diese Unschuld unwiederbringlich stiehlt, sie zwischen der immer wiederkehrenden Stressroutine vergilben und letztendlich vollends verwirken. So webe ich in meinem zu Hause Spinnweben aus Vergangenheit und weiß, dass ich mich in ihnen verfangen werde. Ich bleibe zurück und beraube mich selber neuer erinnerungswürdiger Momente. Doch geben mir diese Gegenstände Sicherheit, die ich im Jetzt nicht finde und im Später nicht erwarte. Durch das Sammeln mache ich die Geborgenheit greifbar und wenn es wie damals auch nur kurz sein mag, finde ich ihn ihr Glück.





Freitag, 14. März 2014

Die Welt ist ein Spielplatz

Weil es in der Welt immer noch Abenteuer zu finden und erleben gibt.
Weil es immer noch versteckte Orte mit Schätzen gibt, die auf uns warten.
Weil es immer noch aufregend ist, mit nur einem Leben das Ende der Fahnenstange zu erreichen, nur um danach wieder von vorne anzufangen.
Weil ein Oberlippenbart zeitlos ist.
Weil es uns unsterblich macht seinen Stern zu finden und wenn auch nur für kurze Zeit.
Weil uns die Einnahme von Pilzen größer werden lässt.
Weil das Schwimmen in einem verdammt aufreizenden Froschkostüm uns schneller ans Ziel bringt.
Weil Veganismus die Gesundheit und das Werfen von Feuerbällen fördert.
Weil Hammer Time uns unantastbar macht.
Weil Vandalismus Geld und mehr Leben bringt.
Weil ein sexy Waschbärkostüm unseren Schwanz schneller schlagen und abheben lässt.
Weil diabolische Reptilien es verdient haben, geplättet zu werden.
Weil die Prinzessin eh wieder in einem anderen Schloss zu finden ist.
Weil für uns Kinder die Welt immer noch ein Spielplatz ist.


 


Freitag, 12. Oktober 2012

Wanderschaft

Als die Sonnenstrahlen des letzten Sommers wehmütig ihre Haut bedeckten und die Vögel in Scharen über ihr auf Wanderschaft begaben, beschloss sie, dass es Zeit geworden war, loszulassen.
Gefunden und geliebt auf Tumblr

Montag, 24. September 2012

Tageskalenderlaune

Als ich mich heute mental darauf vorbereitete, nach draußen zu gehen und mich damit in eine Umwelt zu begeben, die von Zeitgenossen bevölkert wird, welche mit Überschriften niederer Tageszeitungen vollgepumpt sind und gleichzeitig vor Statusupdates virtueller Netzwerke überquellen, entschloss ich mich schließlich nach einer Portion musikalischer Geborgenheit die Tür zur postapokalyptischen Konsumwelt zu öffnen. Doch verharrte ich auf einmal an Ort und Stelle, wie ein Informatikstudent beim Erblicken einer Frau. Es war es nicht der Anblick eines üppig ausgestatteten, brasilianischen Topmodels mit dem Geruch von Kokain im Atem, sondern vielmehr die Gewissheit, dass ich meinen Schlüssel verlegt hatte. Die Gewissheit, nicht mehr in die Wohnung zu kommen, reichte aus, wie ein konservatives Gnu durch die Zimmer zu springen. Auf der Suche nach dem Schlüssel fand ich unter der Couch allerlei Süßigkeiten aus der Zeit der Renaissance, den ehemaligen Vermieter, ein paar exotische Organismen, die auf einer Pizza ein hervorragendes Biotop zur Fortpflanzung gefunden hatten aber der vermaledeite Türöffner blieb verschwunden. Also tat ich das, was die von der Weisheit gesegneten Pfarrer machen, wenn sich gerade kein jungfräulicher Ministrant auf dem Altar räkelt, nämlich den eigenen Geist besinnen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es dauerte daher auch nicht lange, ehe ich beherzt auf meine Brust fasste und das Objekt meiner Begierde am neumodischen Schlüsselband ertasten konnte.
Ehe ich also die Reise nach draußen antreten konnte, musste ich zuerst nach dem Schlüssel drinnen suchen, den ich die ganze Zeit bei mir trug.

Und ja, das ist eine ungewaschene Metapher.

Samstag, 8. September 2012

Peinliche Reinlichkeiten


Als die Neurotransmitter vor euphorischer Überschwänglichkeit die Informationen dieses Bildes an das dafür zuständige Gehirn übertrugen, stellte sich dieses zurecht erneut die Frage, warum dieser festgehaltene Augenblick sich auf diesem virtuellen Ort tummelt. Möchte der Kamerainhaber subtil Werbung für Anti-Age-Creme für Glatzeköpfe machen? Oder will er die Leser mit einem schwierigen Bildersuchrätsel unterhalten, dessen Ziel es ist, das Logo einer weltweit organisierten Fastfoodkette ausfindig zu machen und dem Gewinner mit einem persönlichen Treffen zu belohnen, welches aber vielmehr die abgestandene Einsamkeit des Autors kompensieren soll, die er nicht mehr mit unauffälligem Bademantel und Spiegelreflexkamera auf dem hiesigen Kindspielplatz vertreiben kann?
Der Grund für das Foto befindet sich peinlicherweise überhaupt nicht mehr auf dem Foto selber, sondern passenderweise genau hinter des mit Monotonie gestyltem Mülleimers und ist nichts weiter als eine Columbidae, was der Volksmund der Einfachheit halber nur Taube nennt. Jedoch ist dies keine gewöhnliche Taube, sondern eine, die sich im Wasserspiel der Fußgängerzone ungeniert der Körperpflege hingibt und die ich mit verliebten Blick erspähte, gerade als ich nichtsahnend durch die Stadt trottete. Lasziv wie eine kongolesische Straßenprostituierte im Evakleid, räkelte sie sich vor mir im kühlen Nass und nicht nur mein ausgeprägter Vogelfetisch schlug hier Alarm, sondern auch die Ironie höchstpersönlich drosch aufgeregt in meine Visage. Hinter den Rücken der Tauben werden ja allerlei üble Gerüchte verbreitet, die alle in dem Konsens enden, dass es sich hierbei um ein unreinliches und todbringendes Untier der Lüfte handelt. Natürlich sprechen achtlos ausgeschiedene Verdauungssäfte auf kulturträchtigen Denkmälern oder billigen Jacken Fäkal-Bände aber dennoch fand ich das Bild einfach zu entzückend, wie sich ein als unhygienischer verschriener Zeitgenosse vor den Augen der Stadt einer reinigenden Wäsche unterzieht.
Abschließend mag man sich als mündiger Bürger erneut fragen, warum der aufmerksamkeitsfanantisch erscheinende Schreiberling dann nicht einfach einen besseren Schnappschuss hochgeladen hat. Doch hier muss ich erneut auf den älteren Herrn verweisen, der sein für Anti-Age-Creme Werbung prädestiniertes Haupt in die Linse der Kamera hält. Denn zierte mich dieser Unhold immerzu mit niederträchtigen Blicken, als ich im Begriff war, den Waschvorgang der Taube einzufangen. Obwohl ich nichts Böses im Sinn hatte, schüchterte mich sein unablässiges Gestarre so sehr ein, sodass ich mich gezwungen sah den Ort außerhalb seiner durchdringenden Augen zu verlegen. Jedoch fand ich dort ebenfalls keine Ruhe, da sich in seinem Rücken seine getreuen Starr-Sidekicks befanden, die mich mit einem Dutzend weiterer Augenpaare durchbohrten. Gepeinigt von der fehlenden Privatsphäre inmitten der Fußgängerzone drückte ich hastig auf den Auslöser und sah auf meinem Rückweg noch, wie die Taube die Flucht ergriff, gerade als eine Kehrmaschine den Beton reinigte.

Spruch anlässlich zum gedimmten und stillen Zimmer

Alleinsein bedeutet nicht zwangsläufig Einsamkeit.

Dienstag, 4. September 2012

Tauzeit

Ich muss lernen loszulassen, ohne mich dabei zu lösen, von den Dingen und vor allem von mir. Ich muss lernen wieder zuzulassen, die Dinge um mich herum und vor allem mich. Auch wenn es die Leere oder der Schmerz ist, die hinter der Verdrängung und Ablenkung hervortreten. Sie gehören mir, sie gehören zu mir und ich muss lernen sie anzunehmen. Ich will sie verstehen und vor allem spüren. Ich möchte wollen, die Dinge und wieder mich. Ich muss lernen mich loszulassen und doch festzuhalten.

Montag, 23. Juli 2012

Freiheit

Erst wenn man weiß was Beschränkung heißt, kennt man den wahren Wert von Freiheit.
Die Statue der Freiheit von Zenos Frudaki

Mittwoch, 18. Juli 2012

Verantwortlichkeiten

Es ist gewiss wieder einmal umständlich ausgedrückt aber eine Regel für meinen Seelenfrieden ist es, andere nicht für die Entscheidungen verantwortlich zu machen, die du wegen ihnen getroffen hast.

Mittwoch, 11. Juli 2012

Sonnenlicht

Obwohl sie schon längst fort ist und es mir immer schwerer fällt, all die schöne Erinnerung nicht durch meine Finger rinnen zu lassen, sind es Tage wie diese, wenn ich ihre Wärme wieder auf dem verlebten Überzug des Sofas spüre, auf dem wir die Nächte mit Worten füllten und nichts weiter zählte, als dieser Augenblick zwischen dem aufblühenden Tageslicht und uns.

Gefunden auf: Tumblr

Montag, 9. Juli 2012

Augenwort

Der Blick öffnet sich und fängt das ein, was uns prägt.
Gefunden auf VK

Mittwoch, 27. Juni 2012

Barrikaden

Alles, was er in dieser Welt fand, waren Sackgassen und die Gewissheit, sich verloren zu haben. So zog er sich zurück und errichtete Barrikaden, um sich selber in der Zuflucht der Einsamkeit zu erkunden. Doch schon bald verlor er sich erneut und begriff, dass diese Barrikaden seine Welt in eine Sackgasse verwandelt haben.

Dienstag, 26. Juni 2012

Zusammenbruch

Wenn wir weinen, weil etwas in uns so groß geworden ist, dass unsere Gefühle zerbersten, sind die Tränen für mich nichts weiter, als die zahllos zersplitterte Gefühle, welche nach außen schießen und über die Wangen laufen. Doch nicht immer passiert dies wie bei einer Explosion oder einem Ausbruch. Manchmal geschieht diese Trauer stumm und ungesehen, nicht weil etwas zerberstet, sondern weil etwas fehlt.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Gezähmt

Wildes Tier mit gezähmtem Blick
Gefunden auf: Dpshots

Montag, 18. Juni 2012

Erinnerungen


Die vom Rost befallene Zellentür öffnet sich knarzend, hinter der ein Mann in Uniform durch die Gitterstäbe in das Gefängnis starrt. Aus seiner Nase dringt der letzte Zug einer Zigarette, die er zu Boden schnippt und ihr Glimmen unter seinen schwarz getränkten Lederstiefeln austritt. Er trägt die Hose in den Stiefeln, deren dunkler Stoff bis zu den Knien eng anliegt, um sich an den Außenseiten der Oberschenkel zu einem Ballon zu weiten. Über dem aufgeblähten Bauch spannt sich seine mit Goldknöpfen und Insignien verzierte Jacke. Streng mustert er das von Stäben umrandete Gefängnis, in dem ein Häftling mit bloßer Haut in seinen Körperausdünstungen kauert und die Luft mit beißendem Gestank prägt. Das zerzauste Haar baumelt schlaff auf den klammen Steinboden, während der Kopf an den Gittern lehnt und seine verblassten Pupillen ins Leere wanken. Der Mann in der Uniform brüllt ihm entgegen und richtet seinen ausgestreckten Zeigefinger nach draußen. Er schaut grimmig über seine Schulter, als der Gefangene zurückschreckt. Zwei Wärter setzen dem Insassen daraufhin mit Schlagstöcken zu und lassen erst dann von ihm ab, als erneut ein Schrei ertönt. Es verlangt ihm einige Mühe und Zeit ab, sich aufzurichten und aus der Zelle in einen umzäunten Gang zu schleppen. Abseits des Zauns folgen ihm im hallenden Gleichschritt die zwei Wärter sowie der Mann in der Uniform, dessen Atem von der Strecke deutlich heraussticht. An ihnen vorbei ziehen zahlreiche Zellentüren, ehe der Gefangene abrupt anhält und durch den Zaun blickt. Hinter der Dunkelheit der Gitterstäbe, dem dumpfen Wehklagen ihrer Bewohner, betrachten matte Augenpaare, wie ihn Schreie und Schläge wieder zum Weitergehen treiben. Vor einer kleinen Holztür mit zahllosen Kerben endet die Reise. Dicht neben ihm steht der Mann in der Uniform hinter den Gittern vor einem Vorhang und zwirbelt seinen zwischen den runden Wangen hervorstechenden Schnurrbart, ehe er seine weißen Lederhandschuhe überzieht. Ein Wärter reicht ihm eine Peitsche, deren Holz sich ächzend unter seinem angespannten Griff beugt, während er grimmig den Gefangenen anstarrt.
Der Vorhang öffnet sich und gleißendes Licht flutet den Gang. Aus dem Mann in der Uniform wird ein Dompteur, welcher mit ausgebreiteten Armen die Manege betritt und sich im Beifall der Zuschauer des Zirkuszelts verneigt. Er verteilt dutzende Luftküsse, ehe er sich dreht und den Lederriemen der Peitsche in den Sand fallen lässt. Musik dröhnt aus den Lautsprechern und die kleine Holztür neben dem Vorhang öffnet sich. Aus dem Gefangenen wird ein Löwe. Sein von der Enge des Käfigs getrübte Schritt hinterlässt seichte Abdrücke im Sand, als er durch die Arena trabt. Das Knallen der Peitsche durchbricht die Luft und drängt ihn auf ein Podest hinauf, von dem er zu dem gegenüberliegenden Podest springt. Nach einigen Sprüngen hält er abrupt für einen Augenblick inne, um durch den Zaun der Manege zu blicken. Hinter dem grellen Strahl des Scheinwerfers, dem aufgeregten Applaus der Zuschauer betrachten leuchtende Augenpaare, wie ihn Schreie und Peitschenschläge zum nächsten Sprung treiben. Als er den letzten Hocker erreicht hat, nähert sich ihm der Dompteur mit ausgebreiteten Armen und verneigt sich vor dem Jubel des Publikums, während zwei Tiertrainer vor dem Hocker einen Reifen entzünden. Er brüllt ihm entgegen und lenkt den ausgestreckten Zeigefinger zum Reifen, doch der Löwe zögert und betrachtet die Flammen. Die Zuschauer werden still. Nur wütende Schreie und fröhliche Musik füllen das Zirkuszelt, als die Lederriemen sich mit blutigen Wunden in die Haut fressen und doch daran scheitern ihn zu bändigen. Der Löwe springt von dem Podest und richtet seine Schritte zielstrebig auf den Dompteur, dessen rot gewordenes Gesicht sich nun zu wandeln beginnt und blanke Angst sich ihm bemächtigt. Bei dem Versuch der Flucht verliert er die Kontrolle und fällt. Der Schrei des Löwens ist laut, als er zum Entsetzen des Publikums über den Dompteur herfällt und die Manege nun mit panischen Hilferufen füllt.
Unter der verdreckten Mähne, dem ausgehungerten Leib eines gebrochenen Wesens keimte die Leidenschaft wieder auf, welche ungebändigt durch all die Barrikaden der Gehorsamkeit hindurchbrach und seinen Geist mit etwas flutete, das Gitterstäbe und Demütigung nicht länger verwirken konnten. Etwas, das nur in Vergessenheit geraten war und aufs Neue entflammte. Es war dieser Augenblick, der ihn mit Aufregung tränkte und in dem er endlich heimkehrte. Noch einmal wehte der trockene Wind der Savanne durch seine Mähne, noch einmal spürte er die hochstehende Sonne auf seiner Haut, den ausgedorrten Boden unter seinen Pranken und schmeckte den rastlosen Trieb auf seiner Zunge, als er auf seine Beute sprang. Auch wenn ihn dieser Moment später das Leben kostete, schenkt er ihm die Erinnerung an die Wildnis zurück.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Unterschiede

Schau mal, sagte der Fuchs, so unterschiedlich sind wir gar nicht und zog seine Ohren in die Länge, was den Hasen natürlich wenig überzeugte, ihm den Weg zu seinem Bau zu verraten.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Leben


Im Leben erfahren wir Höhen in Form von Freude oder Geburt.


Genauso erleben wir Tiefen in Form von Trauer oder Tod.


Beide sind miteinander verknüpft. Es ist der Entwurf der Natur, das Konzept des Lebens.


Ich

Ich verspüre gerade den Drang etwas in Worte fassen zu müssen, etwas was in mir drinnen ist. Ich will es einfach raus lassen, ungeprüft, ohne es mehrmals durchzulesen und abzuändern. Ich möchte kein schlechtes Gewissen haben, weil ich die letzten Sätze dreimal mit 'Ich' anfing und sich das nicht ziemt, weil es zu eintönig ist. Ich möchte die Dinge in meinem Kopf, welche sich auf so seltsame Art und Weise zu Bildern formen, einfach herauslassen, ohne Verkleidung und aufwendigem Make Up. Ich möchte ohne Ablenkungen leben, ohne dem Drang, der sich vielmehr zum Zwang entwickelt hat, davonzulaufen, vor irgendetwas, was mich und meine seltsamen Bilder irgendwie zerstören könnten, etwas das ihnen die Besonderheit nimmt und sie so wie all die anderen werden lässt, die sich all den Konventionen beugen, ohne dabei ihren ungeschliffenen Geist zeigen, weil heutzutage alles und jeder geschliffen sein muss. Ich bin etwas besonderes, genau wie all die anderen, doch wenn ich sehe wie all diese anderen so sind, wäre ich lieber normal, symmetrisch und kantenlos. Ich schreibe diese Worte und weiß, dass ich nicht anders bin, es ist als ob mein Geist hinter meinen kantenlosen Taten rebellieren würde. Ich will frei sein und bin es nicht, nicht weil ich in das dunkelste Gefängnis geworfen wurde und die Wärter den Schlüssel tief unter der Oberfläche vergraben haben, sondern weil ich dort freiwillig bin. Ich möchte gefangen und eingesperrt sein, weil es mir Gründe gibt, den Finger auf alles andere zu zeigen außer mich. Ich habe Angst davor etwas zu werden, etwas zu sein, das von mir kommt und damit unwiderruflicher ist, als die ganzen Schubladen in die mich jene Menschen stecken, welche mit mir zu tun haben und mich nicht verstehen oder keine Zeit haben oder mich einfach nicht interessant genug finden, um sich eigene Gedanken bilden zu wollen. Ich habe Angst davor zu sein, so große Angst, dass ich mich freiwillig in der Ablenkung verliere, mich in ihrer belanglosen Schönheit verliere, ohne zu merken, dass ich auch so etwas werde. Ich will die Dinge in ihrer reinen Natur herauslassen, ohne Verfälschung und doch zieht es mich in die Suche nach Schönheit und Ästhetik. Ich möchte einfach loslassen können, ohne diese Barrikaden und Hemmungen. Ich finde, dass wahre Schönheit von Innen kommt. Ich finde, dass man nach ihr graben muss, um sie zu finden, anstatt sie in den Denkmälern zu suchen, welche hoch in die Luft empor ragen. Ich möchte meine Gedanken einfach heraustragen dürfen, ohne all den Zwang. Es scheint als könnte ich das nur, wenn ich halb Drei vollkommen vermüdet vor dem Flimmern meines Bildschirms sitze und keinen Grund gefunden habe schlafen zu gehen.

Ankerlos

Gefunden auf: Deviantart

Mit besorgten Blick findet mich der Wellenschlag, der unermüdlich gegen die zerbrechliche Hülle meines Bootes schäumt und mich immerzu in die aufgebrachte Umarmung der See treibt.