Dienstag, 18. Januar 2011

Gedankenblubber

Es ist dunkel um mich geworden und nur das schwache Licht des Monitors gewährt sanfte Eindrücke von dem Zimmer. Nicht weit von mir kann ich schemenhaft das Sofa erkennen und ein leises Schnurren verrät mir, dass dort gerade eine Katze eine wohlverdiente Ruhepause von dem schlaftrunkenen Tag vollzieht. Vielmehr als die Dunkelheit umgibt mich etwas, was ich zuvor immer zu vermeiden versuchte. Stille. Es ist diese Art von Stille, die entsteht, wenn alle Ablenkungen zum Schweigen gebracht werden und für mich ist es nach langer Zeit das ich sie weniger erdrückend als befreiend wahrnehme. Es ist dieser Moment, in dem ich spüre, wie aufgebraucht ich mich doch fühle. Wie sehr ich mich dagegen gewehrt hatte, diesen Augenblick zuzulassen, da die Angst überwog, dann aufzuhören. Aufzuhören zu funktionieren. In was für einer Welt ich doch gebracht wurde. Eine Welt, in der in jeder greifbaren Sekunde neuen Irrlichtern hinterher gejagt wird. In dieser Hast muss es immer neu, immer schneller und besser sein. Ich muss zugeben, dass ich Tag für Tag eine größere Abscheu gegenüber diesem gigantischen Hamsterrad entwickle. Hier und da erwische ich mich bei dem Gedanken, wie es doch wäre, wenn ich irgendwann fernab von all dem ganzen Lärm für mich abgeschieden leben könnte. Ein einfaches Leben zu führen und sich auf die fast grotesk erscheinende Ruhe in meinem Leben zu konzentrieren. Ich frage mich, ob es das ist, was mich glücklich machen würde, anstatt die eigenen Erwartungen und Vorstellungen auf jemanden zu pressen, der neusten technischen Errungenschaft hinterher zu streben und mich der  Statusgier zu unterwerfen. Vielleicht ist es genau das was fehlt, diese Momente der Stille. Diese Art von Stille, die einem Klarheit bringt in dieser Welt voller Lärm.
Die Hälfte aller Fische in der Nordsee werden tot wieder zurück ins Meer geworfen, dank eines EU Gesetztes. Unterzeichnet diese Petition und setzt ein Zeichen! 

Samstag, 15. Januar 2011

Was als eine E-Mail anfing...

... entwickelte sich sehr schnell zu einer spontanen Geschichte, als die Muse mich aus Langeweile zum Schreiben brachte.

Na, wie gehts? Ich hocke gerade auf Arbeit und warte auf meine Mitfahrgelegenheit, die wohl mal wieder Stunden brauchen wird um sich auszukäsen. Meine Motivation ist daher gerade dort, wo es für Homosexuelle gerade erst anfängt interessant zu werden, nämlich an dem Ort wo die Sonne nie scheint, es sei denn, man ist gerade bei einer Prostata Untersuchung und auf Grund einer globalen Energiekrise ist der Strom rar geworden. Daher können Ärzte auch nicht mit einer künstlichen Lichtquelle arbeiten, um den Zustand der Prostata einzusehen. Deshalb sind sie gezwungen den Tagesanfang abzuwarten, da zu dieser Tageszeit die Sonne tief steht und somit einen optimalen Winkel bietet, um einen Blick ins Innere eines Mannes zu gewinnen. Als Randnotiz muss hier natürlich erwähnt werden, dass unser lieber Arzt, um den es nachfolgend gehen wird, keinen blassen Schimmer von Medizin hatte und daher auch nicht wissen konnte, dass eine Prostata Untersuchung über die haptische Schiene gefahren wird. Der Grund warum unser sympathischer Arzt keine Ahnung von dieser Tatsache hat, liegt darin verborgen, dass er bis zu diesem Tag niemals auf einer Universität war und das obwohl er eigentlich eingeschrieben war. 
Das geschah nur auf Druck seiner Eltern, die unbedingt wollten, dass aus ihm ein erfolgreicher Mensch wird. Natürlich vergaßen seine Eltern, wie so viele auf diesem trostlosen Planeten, dass sich Erfolg nicht an materiellen Reichtum messen lässt, sondern vielmehr an der Anzahl der Endorphine welche durch unseren Körper jagen, weil wir mit dem was wir tun, wer wir sind und wie wir leben glücklich sind. Sie übten sie so viel Druck auf unseren Arzt aus, dass es ihnen überhaupt nicht auffiel, dass er seine Passion, seine Leidenschaft im Schreiben lag. Er fand großen Gefallen daran, aus Buchstaben Worte zu formen und aus diesen wiederum Sätze, welche sich mit etwas Anstrengung und Glück zu einer Geschichte verwandelten. Unser Arzt hatte eine Menge dieser Geschichten fertiggestellt. Die meisten befanden sich noch in seinem Kopf, einige wenige hatte er sorgsam und mit viel Liebe zu Papier gebracht, um sie wenig später in den dunklen und einsamen Sphären der untersten Schublade seines Schreibtisches verschwinden zu lassen. Er fürchtete den Groll seiner Eltern und so versteckte er dort all seine Schätze. Unser Arzt war ein großartiger Schreiber ohne Frage. Er vermochte seinen Charakteren mit Heldentum und Mut zu bekleiden, doch wurden diese Eigenschaften nur mit Tinte auf Papier gebracht. Sie fanden den Weg nicht zu ihn, seinen Worten oder Taten. So blieb er stumm, als der Vater seinen Lebensweg mit viel Kalkül zeichnete. Doch obwohl ihm der Mut zur Wahrheit fehlte und die Lügen belasteten, faszinierte ihn die Leidenschaft für das Schreiben. Denn so oft vergaß er dabei die Zeit und es kam es häufig vor, dass das morgendliche Vogelgezwitscher ihn vollkommen unvorbereitet aus seiner Welt riss. Diese Welt, in der er sich so geborgen und willkommen fühlte. In der er epische Abenteuer bestreiten oder sich einfach in einem Detail verlieren konnte. So vergingen die Jahre und mit viel Fantasie, wovon er reichlich hatte, täuschte er seinen Eltern erfolgreich den strebsamen Studenten vor. Sein Vater war so stolz auf sich, als er an jenem Tag glaubte, dass sein Sohn endlich seinen Abschluss erreicht hatte. Er nahm ihn in seiner Praxis auf. Vater und Sohn sollten von fortan erfolgreich in einer gemeinsamen Praxis arbeiten. Der Zufall wollte es nicht anders, dass die Mutter eines Tages Sonnenlicht in die unterste Schublade seines Schreibtisches brachte und den vielen Geschichten nun das gab, was sie all die Zeit entbehren mussten und so dringend brauchten, einen Leser. Die Mutter betrachtete seine Buchstaben, wie er aus ihnen Worte gebildet und diese zu Sätzen geformt hatte, welche sich wiederum auf so wundervolle Art und Weise zu Geschichten verwandelten, dass ihr die Tränen kamen. Ihre faltige Haut wurde jedoch nicht nur wegen der Schönheit der Texte mit Tränen benetzt, sondern auch, weil sie nun begriff, dass diese Geschichten in der Lage waren das kalte Herz des Vaters zu brechen. Zaghaft wischte sie sich die Traurigkeit aus dem Gesicht. Ihre Hand zitterte, als sie das Papier zurück in die Dunkelheit der untersten Schublade zwängte und seither nie wieder öffnete. Sie schwieg und verdrängte jene Gedanken, die mahnend von Zeit zu Zeit aufkamen, ob ihr Sohn wirklich zufrieden oder gar glücklich mit seinem Leben als Arzt ist. 
So vergingen Jahre bis zu dem Tag, diesem schicksalhaften Tag, als unser sympathischer Arzt vor dem Hintern eines behäbigen Mannes stand. Er wartete darauf, dass sich die Sonne über die Wolkenkratzer heben würde und somit einen optimalen Winkel garantieren zu können, um Licht in eine Sache zu werfen, die er selbst mit seiner großen Fantasie nicht im Stande gewesen wäre auszumalen. Es war genau dieser Moment, als er sich schwor, dem Vater eines Tages mutig gegenüberzutreten, ihm die Worte zu geben, welche er nicht wollte und doch verdiente. Doch dieser Tag starb mit dem Augenblick, als die Sonne ihr erstes Licht über die Häuser warf. Ein dumpfes Geräusch aus dem Nebenzimmer füllte die Praxis kurz mit Stille. Als unser Arzt hastig die Tür auf riss, fand er den Vater, welcher auf den Boden lag und mit seiner Hand starr zur linken Brust griff. Es versagte genau jener Muskel, der all die Jahre verzweifelt versuchte seinen Körper mit Wärme zu füllen und nun endgültig aufgab. Unser Arzt kniete vor ihm und konnte den Hilfe suchenden Blicken seines Vaters nicht mehr als Hilflosigkeit erwidern. Kurze Zeit später schaute er in die leeren Augen seines Vaters, und hielt noch immer seine Hand. All die Jahre vermochte er nicht das Herz seines Vaters zu brechen und nun war er unfähig es zu retten. 
Nach dem Tod des Vaters vergeht kein Tag, an dem er nicht von Schuldgefühlen überworfen wird. Mit der Zeit wächst in ihm der Gedanke heran, dass er eine Person war, die er eigentlich nicht ist. Dieser Gedanke verändert alles. Denn ist es jener Gedanke aus dem sich ein Gefühl bildet, welches sich wiederum zur Gewissheit formt, das er sein Leben von Grund verändern muss. Er beschließt endlich Arzt zu werden. Wieder schreibt er sich in der Universität ein, jedoch besucht er diesmal die Vorlesungen und nach einigen Jahren der harten Arbeit, erhält er seinen Doktortitel. Aus unserem Arzt ist endlich ein Arzt geworden. Nur kurz darauf eröffnet er die alte Praxis seines Vaters und versteht es diesmal, mit nötigen Sachverstand, die Prostata eines Mannes medizinisch korrekt zu untersuchen. Er befindet sich in genau dem Leben, das sein Vater für würdig erachtet hätte. An einem Abend, nachdem der letzte Patient die Praxis verlassen hatte, bringt unser Arzt schwaches Sonnenlicht in die unterste Schublade seines Schreibtisches, als er diese durch einen Moment der Gedankenlosigkeit öffnet. Es ist jener Augenblick, als er den Geschichten die Vergessenheit nimmt, die ihm all die Jahre so viel Freude und Geborgenheit geschenkt haben. Der Anblick seiner Geschichten entfacht ein Feuer aus längst vergessenen Tagen. Ausdruckslos wirft er Papier um Papier in den Ofen, während seine Augen kalt das wild lodernde Feuer zurückwerfen. Die Flammen verschlingen Wort um Wort und fast scheint es, als ob sich das Papier vor lauter Schmerz krümmen würde, bis nichts mehr als eine verkohlte Erinnerung zurückbleibt.
Als die Sonne Jahre zuvor ihr Licht in die Praxis warf, starb an diesen schicksalhaften Tag nicht nur ein Vater, sondern vielmehr auch ein großartiger Autor. Ein Autor, der mit seinen Geschichten die Herzen der Menschen erreicht und erwärmt hätte, wie das, seines Vaters. 

Also meine Motivation ist mit anderen Worten gesagt, im Arsch...

Freitag, 14. Januar 2011

Verloren

"Du blödes Arschloch, ich hasse Dich, ich hasse Dich, ich hasse Dich, Du dummes Arschloch!" Wütend schreit sie diese Worte in den Morgenhimmel, während Tränen ihren unermesslichen Schmerz bedecken. Zusammen geknickt kauert sie auf dem Boden und umklammert fest einen leblosen Schwan, dessen Kopf trostlos über ihren Arm baumelt. Langsam hebt sie nun ihren Kopf und schaut auf das tote Tier. Kurz darauf trommelt sie wild mit ihren Fäusten auf die verlassenen Hülle und für wenige Momente scheint es, als ob sie ihr doch noch Leben einhauchen würde. "Siehst Du die Vögel da oben, siehst du sie? Du könntest auch dort sein! Warum fliegst Du nicht, ich weiß doch dass Du das kannst! Gott verdammt, flieg doch endlich!" Wütend packt sie das Tier und schüttelt es. "Du Arschloch, Du dreckiges Arschloch, flieg doch, bitte, bitte flieg."

Eine kleine Menschenansammlung beobachtet entsetzt, wie ihr der Weinkrampf die letzten Kräfte raubt und sie erschöpft auf den Boden sackt. Zwei Passanten helfen ihr auf und bringen sie zu einer kleinen Sitzbank. Benommen starrt sie ins Leere und bemerkt nicht, wie ihr einer der Helfer ein Taschentuch anbietet. "Sie scheint ja sehr an diesem Tier gehangen zu haben" äußert sich besorgt ein Mann aus der Gruppe. Kopfschüttelnd dreht sich ein älterer Herr um und erwidert ihm: "Sie verstehen nicht ganz, der Vogel lebte noch, bevor diese Person ihn umbrachte".

Ein Staubkorn

Ein Staubkorn liegt mit gelangweilter Miene auf der schwarzen Lautsprecherbox im fahlen Strahl der Mittagssonne. Sein Blick schweift langsam durch das Zimmer, verweilt kurz hier und da, bis eine blonde Haarsträhne sanft über die Boxen streift. Zierliche Finger drängen den Lautstärkeregler zum Anschlag. Pulsierende Musiknoten lassen die Lautsprecher erzittern und werfen das Staubkorn mit vergnügtem Kichern auf und ab. Erheitert kneift es die Augen zusammen, als es mit einem breiten Staubkornlachen Lied um Lied durch die Luft gewirbelt wird. Zierliche Finger bringen die Boxen zum Schweigen. Im fahlen Strahl der Mittagssonne verbleibt das Staubkorn mit grinsender Miene auf der Lautsprecherbox und schweift mit erwartungsvollem Blick durch das Zimmer.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Mein Verstand erklärt mir mit abgeklärter Routine, dass die Zahlen eindeutig gegen ein Unterfangen sprechen und es ratsamer wäre, sich Projekten mit besseren Gewinnchancen zu widmen. Wo hingegen mein Gefühl währenddessen mit einer Keule hinter ihm schwungvoll ausholt.
Die Planlosigkeit ist der Samen der Spontaneität.
Der Konjunktiv ist das Tagebuch eines Versagers.