Dienstag, 4. September 2012

Tauzeit

Ich muss lernen loszulassen, ohne mich dabei zu lösen, von den Dingen und vor allem von mir. Ich muss lernen wieder zuzulassen, die Dinge um mich herum und vor allem mich. Auch wenn es die Leere oder der Schmerz ist, die hinter der Verdrängung und Ablenkung hervortreten. Sie gehören mir, sie gehören zu mir und ich muss lernen sie anzunehmen. Ich will sie verstehen und vor allem spüren. Ich möchte wollen, die Dinge und wieder mich. Ich muss lernen mich loszulassen und doch festzuhalten.

Freiheit

Die ungeheuere Welt, die ich im Kopfe habe. Aber wie mich befreien und sie befreien ohne zu zerreißen. Und tausendmal lieber zerreißen, als sie in mir zurückhalten oder begraben.

Franz Kafka

Lichterstadt

Gefunden auf: Tangyauhoong

Lebensmenschen

Die schönsten Menschen, die wir kennen, sind diejenigen, welche Niederlagen erlebt, Kampf ausgetragen, Verlust erlitten haben, und dennoch einen Weg aus den Tiefen fanden. Diese Menschen besitzen ein Verständnis, eine Empfindsamkeit für das Leben, welche sie mit Sanftmut, Mitgefühl und tiefer liebevollen Fürsorge füllt. Schöne Menschen passieren nicht einfach.

Elizabeth Kubler Roth

Montag, 3. September 2012

Abschied

Gefunden auf: Biba's Soup

Spiegel

Zum ersten Mal begegne ich jemanden, der die Menschen sucht und dessen Blick weiter reicht. Wir sehen nie über unsere Gewissheiten hinaus und was noch schlimmer ist: wir haben es aufgegeben Begegnungen zu machen und tun nichts anderes, als uns selbst zu begegnen, ohne uns in den ständigen Spiegel wiederzuerkennen. Wenn wir es merken würden, wenn es uns bewusst würde, dass wir im Anderen immer nur uns selbst ansehen, dass wir allein sind in der Wüste, würden wir verrückt. Ich flehe das Schicksal an, dass es mir die Chance gibt, über mich selbst hinaus zu sehen und und jemanden zu begegnen.

Muriel Barbery - Die Eleganz des Igels

Sonntag, 2. September 2012

Die Metapher

Falls sich jemand vorgenommen hat, den Film Moneyball anzuschauen, sollte er sich davor hüten die angehäuften Sekunden dieses Videos zu Gemüte zu führen, da sie eben exakt die letzten Sekunden aus dem cineastischen Werk entsprungen sind und nur zu impulsiven Nebenwirkungen und katastrophalen Kopfschmerzen führen könnten.




Um den Kontext dieser Szene etwas schärfer zu machen, verrate ich, dass man in dem Video den General Manager Billy Beane und seinen Assistenten Peter Brand sieht, wie sie nach der Einführung eines revolutionären Systems dennoch das Endspiel um die Meisterschaft verloren haben. Dem werten Herrn Beane grämt diese Niederlage so sehr, dass er den Wert ihrer geleisteten Arbeit in Frage stellt, für die sie von Anfang an von den alteingesessenen Mitmenschen mit viel Häme und Unverständnis versehen wurden.


Homecoming

Nach vierwöchiger Abstinenz flimmert nun doch endlich ein unscheinbar wirkender Text auf dem Bildschirm und die geneigte Leserschaft, welche wohl löblicherweise nur aus meiner Wenigkeit, einer handvoll frisch kastrierter evangelischen Ministranten mit abgelaufener Aufenthaltsgenehmigung und einigen über 50 jährigen Legasthenikern besteht, die unter dem Akronym Indistan den Namen ihrer längst verflossenen Shemale Urlaubsliebe aus Indien vermuten und ganz geflissentlich diese Seite verfolgen, um auch nur bei der kleinsten Erwähnung ihres prähistorisch anmutenden Vornamens, ein Ticket nach Chandigarh zu buchen und dort ein neues Leben an der Seite ihrer wiedergewonnen exotischen Lebensabschnittsgefährtin als Berghirte in der prachtvollen Talgegend des Himalaja anzutreten.
Nun mag sich gerade die letzte Gruppe in der vierwöchigen Abwesenheit große Sorgen gemacht haben, ob der lieblichen Indistan etwas passiert ist. Wurde sie etwa von katholischen Fundamentalisten zu einer aus Spendengeldern finanzierten Operation gezwungen, die ihr Geschlecht für korpulente Priester eindeutig erkennbar machen sollte? Hat sie etwa die Zeit genutzt, um ein Heilmittel für den Hodenkrebs zu erforschen und das Rezept an den Höchstbietenden kongolesischen Warlord verkauft, um mit dem Erlös ein neues und sauberes Leben in Deutschland als Putzfrau in einem kurz vor der Insolvenz stehenden Fastfoodkette aufzubauen? 
Nun, da sich weder ein Heilmittel für Hodenkrebs in den Regalen der dritte Welt Läden tummelt oder mein Geschlechtsorgan eindeutig zu bestimmen ist, kann ich gerade jene zu Freudentränen animieren, dessen Lebensinhalt daraus besteht, sich in dem Elend ihrer Mitmenschen zu suhlen und sich mit den härtesten Psychopharmaka volldröhnen, sobald diesen etwas Positives widerfährt und damit den eigenen Status des  Lebens zu gefährden droht. Der Grund für die mehrwöchige Abstinenz war ein schwerer Schicksalsschlag, der in Form bierbäuchiger Bauarbeiter daher kam, die es als erstrebenswert hielten, ihre Arbeitszeit raufend in dem ausgegrabenen Baggerloch vor meinem Wohnsitz zu verbringen. Ich stand gerade vor dem Fenster und verbrachte meine wohlverdiente Pause von der Übersetzung von Mein Kampf ins Hebräische mit einem literarischen Abstecher in Günther Grass's Blechtrommel, als ich einen dieser erwähnten Bauarbeiter sah, wie er sein pferdeähnliches Gebiss in einem Kabel vergrub, welches sich später als die gute aber nun leider durchtrennte Internetverbindung herausstellte. Nun erhielten wir in den darauffolgenden Wochen die schönsten und lieblichsten Entschuldigungen der nach Ablass strebenden Vertreter des Proletariats, doch konnten weder die dilettantisch gebackenen Käsekuchen noch die getragene Calvin Klein Unterwäsche den Rechner wieder mit dem lebensnotwendigen Saft des Internets füllen und so verbrachte ich meine Zeit mit der akribischen Studie der menschlichen Psyche, der Erkundung abgelegener Naturgebiete in den wirtschaftlich schwachen Gegenden der Welt, der Erweiterung der eigenen überdurchschnittlichen Psyche und da mir gerade keine weiteren dreisten Lügen einfallen, belasse ich es einfach mit der lakonischen Ankündigung, dass die gute Indistan wieder da ist!