Donnerstag, 13. Januar 2011
Träume
"Eines Tages werde ich berühmt sein und meinen eigenen Weg gehen. Dann werde ich endlich unabhängig und frei sein. Ich werde eigene Entscheidungen treffen und die Menschen inspirieren. Ja, eines Tages werde ich Großes vollbringen, etwas bedeutendes, etwas was man nie vergessen wird und dann werden sie endlich sehen wie falsch sie doch alle lagen!"Aus dem Nebenzimmer ertönt eine besorgte Stimme: "Alles in Ordnung bei Dir? Brauchst Du noch eine Decke Opa?"
Vergangen
Langsam öffne ich meine Hand, starker Wind entreißt mir eine zarte Blüte und trägt sie weit fort. Hastig folge ich ihr ein paar Schritte, bis ich sie nicht mehr zu sehen vermag. Eine Träne verlässt mich, als ich die Augen schließe, um mich an jene Tage zu erinnern, wo meine Hand noch geschlossen war.
Aus längst vergangenen Chattagen
Aus unerfindlichen Gründen habe ich das nachfolgende Gespräch auf meinem PC gespeichert, bei dem sich ein triebgesteuerter Schurke von dem "a" am Ende meines Nicks blenden ließ und vermutete, dass sich dahinter eine bezaubernde, gut aussehende, charmante und nicht minder sportliche Frau verbirgt, die selbstredend im Chat auf den nächstbesten Verlierer wartet, der sie mit atemberaubenden Deutschkenntnissen, die selbst einen polnischen Regenwurm die Schamröte ins Gesicht treiben würde, zum virtuellen Geschlechtsakt überredet. Daraus wurde eine mehr oder minder lustige Konversation. Das sich hinter dem Nick ein kleiner Geheimratseckenzwerg verbarg, war ihm dann am Ende wohl doch egal.
gio111: hi
Indista: hi
gio111: wie gehts
Indista: gut und dir?
gio111: gut danke
gio111: woher kommest du
Indista: aus singen und du?
gio111: augsburg
gio111: wie alt bist du
Indista: 25
gio111: ok
Indista: ok?
gio111: : ?
gio111: :)
Indista: wie alt bist du?
gio111: 25
gio111: bist du solo
Indista: ja
gio111: seit wann
Indista: schon etwas länger
gio111: schade
gio111: dass du alleine bist
Indista: ja das finde ich auch schade
Indista: das macht mich traurig :(
gio111: ohh süsse
gio111: sei nicht traurig
Indista: willst du mich trösten?
gio111: gerne
gio111: : )
Indista: ich sag dir was du tun musst und du machst es dann, ja?
gio111: ok
Indista: bist du bereit?
gio111: jaaa
gio111: wie du
Indista: oh und wie ich bereit bin
Indista: also geh jetzt mal auf mein profil und sag mir, mit deiner hand in der hose, was dir da für gedanken kommen
Indista: und saurer, gefällt dir was du da liest?
gio111: also ich mag keine zeitung lesen
gio111: keine phylosofie
gio111: nur liebe direkt
Indista: ich weiß was du meinst, vermute ich
Indista: gut dann machen wir es kurz, was bei dir ja in jeglicher sachlage zutreffen dürfte
Indista: fällt dir vielleicht das "männlich" im profilkopf auf?
gio111: hmmmmm
gio111: direktttttttt
gio111: life
gio111: lol
Indista: so darf ich jetzt endlich meinem brechreiz nachgehen oder willst du mich dennoch weiter trösten?
gio111: ich möchte dich kussen
Indista: also dann eher ersteres...
Der Penner
Es wurde Dir wenig im Leben geschenkt und doch so viel mehr genommen. Deine verblassten Augen tragen die betäubten Erinnerungen an ein längst vergangenes Leben, das zu früh verwirkte. So verweilst du an diesem Ort, wo geschäftiges Treiben deine Zeit zum Stehen bringt. Die vorbeiziehenden Konturen wirken vertraut. Du gehörst zu ihnen, wie sie zu dir und dennoch bleibst du entrückt. Diese faltige Hand strebt nach mehr, als den zugeworfenen Almosen. Dein von Einsamkeit getränkter Blick sinkt benommen zu Boden und verharrt so lange, bis die Dunkelheit dich zum Aufbruch zwingt. Schon lange spürst du nichts mehr. Die Härte in deinem Leben hat dich hart gemacht. Nur manchmal, wenn der Regen die Kartons erweicht und kleine Tropfen in dein Gesicht fallen, scheint es dir, als ob es doch noch jemanden gibt, der um dich weint.
Mittwoch, 12. Januar 2011
Ruhige See
Ich war glücklich in meinem Hafen, bis Dein Schnitt meine Leinen trennte und ich auf das offene Meer trieb. Zu verloren um klaren Kurs zu setzen, warfen mich Wellen hin und zurück. Angstvoll richtete sich mein Blick zum Horizont, welcher von dunklen Wolken verhangen wurde.
Sturm zog auf und peitschte Wellen, so riesig wie schwarze Wolkenkratzer, gegen mein kleines Boot. Welle um Welle zerbrach am ertränkten Holz. Doch je öfter sie mich trafen, umso weniger Schaden schien ich zu nehmen.
Als der heulende Wind sich wieder zur Ruhe legte, bemerkte ich, dass all die Geborgenheit, welche ich so verzweifelt suchte, schon immer auf diesem Boot verweilte. Und jetzt, wo ich den Kurse setzen und entscheiden kann, wohin ich gehöre, verweile ich noch etwas. Hier, auf der ruhigen See.
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